Vom Autositz zum Rollsitz beim Coastal Rowing

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Stell dir vor du fährst am Wochenende an die Küste zum rudern. Wie lange brauchst Du vom Abstellen des Autos bis hin zum ersten Schlag mit dem Coastal Boat? Hier unsere Erfahrung mit der “Set Up Zeit” vom Autositz zum Rollsitz beim Coastal Rowing.

Wir haben es ausprobiert und brauchten zwischen 4 und 15 Minuten – Der gleiche Parkplatz, der gleiche Strand, die Wegstrecke war gleich. Der einzige Unterschied: Boot und Equipment. Unser Equipment: Boot, Ausleger, C-Tug Trolley, 2 Skulls, Bugleine, Schwimmweste. Dieses Equipment war für alle Boote gleich. Jedes Equipment wurde aus dem Kofferraum ausgepackt und anschließend am Boot montiert. Gemessen haben wir die Zeit vom Aufstehen aus dem Fahrersitz (BMW X3) bis zum ersten Ruderschlag. Da nicht jeder Coastal Rower auch ein Regatta Ruderer ist und auch viele Freizeitsportler das “Coastal Feeling” wollen, haben wir unterschiedliche Bootstypen getestet.

Der Ablauf:

  • eine Person
  • Boot vom Dach auf den C-Tug legen.
  • C- Tug am Heck befestigen
  • Ausleger Montieren
  • Skulls ins Boot legen
  • Weste in das Netz legen.

14 Minuten: Coastal Boat: Fisa Eigenschaften, Schnell-Ausleger, 36 kg

Unser Boot war ein Swift Racing Boot. Leider schwerer als das FISA Minimalgewicht (wir haben über die Gewichtsprobleme von Swift Racing schon geschrieben), dachten aber nur ein Kilo mehr, ist ja nicht so schlimm. Wir waren nicht in der Lage das Boot alleine vom Dach zu holen. Wir haben versucht, genau den exakten Tragepunkt zu finden. Es war zu windig. Hätten wir es alleine versucht, hätten wir vermutlich den Schwerpunkt des Bootes nicht balancieren können und eventuell sogar unser Auto beschädigt. Schnell war (fremde) Hilfe zur Hand und das Boot war auf dem Trolley. Hilfreich sind die Trageschlaufen beim Swift. Die halfen uns auch, wenn uns das Boot echt schwer vorkam. Der QR Ausleger war schnell zu montieren. Für meine Begriffe saß er etwas zu locker. In unserem Fall wahrscheinlich nur ein Verschleiß des Kunststoffverschlusses. Die Skulls habe ich in die Dollen gelegt und diese leicht verschlossen – Easy. Dank des Trolleys was das Boot war einfach zu ziehen. Hürde Nr 1: Ich musste die Treppe zum Strand umgehen und eine kleine Passage nutzen. Die hatte einen 90 Grad Ecke. Das bedeutete für mein 6m Boot einiges an “Rangiererei” um nicht an den Begrenzungsmauern anzustoßen. Ein weitere Hürde war nun der leichte Wellengang. Das Boot musste ins Wasser ohne dass die Finne abbricht und die Ruder aus dem Boot fallen. Mit dem Bug oder Heck voraus ins Wasser? Ich blieb beim Bug, musste aber 3 Meter weiter rauslaufen.

Jetzt wurde es kniffelig: Ich stand am Bug, etwa 6 m vom Trolley entfernt und 12-15 M von der Beach entfernt. Wie löse ich den Trolley vom Boot ohne dass mir das Boot und die Wellen “Ärger” machen? Ich spurtete durchs Wasser, versuchte das Boot seitlich zu halten und löste schliesslich die Schlaufen des Trolley. Das war einfach.  Jetzt noch den Trolley an den Strand legen/schmeissen und zurück zum Boot. Das funktionierte nicht. Das Boot wurde durch die Wellen immer weiter in die Vertikale geschoben. Letztendlich konnte ich das Boot in Position bringen, die Skulls wieder positionieren. Einsteigen wie gehabt, Skulls in die Hand und … Zeit messen.

Echt hilfreich: Auf Sand, Wasser und Gras.

12 Minuten: Coastal Boat: Fisa Eigenschaften, fester Ausleger, 30 kg

Bei diesem Boot handelte es sich um meinen neuen RS X19 FISA Spezifikationen. Auch 6 m lang aber deutlich leichter als der Swift.  6 kg sind deutlich weniger und ich probierte das Schiff alleine vom Dach zu heben. Gerade das Anheben vom Dachträger war wesentlich einfacher.  Ich merkte in den Muskeln … das geht… obwohl ehrlich gesagt: Man sollte das nur tun wenn das Umfeld berechenbar und weitläufig genug ist. Ansonsten ist ein 6m Boot alleine vom Autodach zu heben auch gefährlich. Auch wenn die Muskelkraft es erlaubt. Die Chancen dass der Wind das Boot einfängt oder das Boot auf den Autolack “ditched” ist gross. Wir zeigen Euch bald ein paar Videos wie man das alleine gut machen kann.  Aber es ging, brauchte niemand einzuweisen und erklären wie es geht und ich habe somit etwas Zeit eingespart. Durch die Montage des Auslegers verlor ich in der Zeit vom Autositz zum Rollsitz 2 Minuten. Weniger das Versenken der Inbusschrauben als die exakte Positionierung war das Thema. Der Rest war ähnlich wie bei allen 6m FISA Booten. Boot und Skulls vorbereiten, Passage entlang, wassern, Trolley versorgen und los gehts-.  Vorteil von diesem Boot, dem X19: Das Finnensystem. Diese Finne hat das bekannte und einfach zu wechselnde “US-BOX” System. Überall erhältlich. Billiger und einfacher als das Chinesische Swift System. Brechen kann die Finne aber wahrscheinlich auch.

vom Autositz zum Rollsitz
Klein und Fein: Coastal Boote Ohne FIS Spezifikationen

5 Minuten: Coastal Boat: Hybrid, 22 kg, Schnell Ausleger

Gerade mal etwas mehr als 4 Minuten vom Autositz zum Rollsitz. Das lobe ich mir. 4.30 und 22 kg sind einfach vom Dachträger zu holen. Windanfällig? Minimal. Man passt natürlich auf. Aber es ist echt ein Unterschied in der Trageweise. Über Kopf hat es toll geklappt. Und auch das Ablegen des Hecks in den Trolley – einwandfrei.  Und die Passage? Welche Passage? Das Hybridboot liess sich einfach um die kleine Kurve steuern. Ich musste einmal nachjustieren. Kein Aufsetzen der Finne, keine Wandberührung. Der grosse Vorteil entpuppt sich im Wasser. Das Boot ist durch seine Länge wesentlich besser durch die Wellen zu händeln. Der Hebel, den wir mit knapp 4.50 und einem Gewicht unter 30Kg haben ist zu unserem Vorteil. Das Boot ist schneller ausgerichtet. Ich bin schneller vom Bug zum Heck gerannt. Es sind Sekunden: Aber wer weiß was Wellen mit Booten machen können, der weiß auch dass manchmal jede Sekunde ausschlaggebend sein kann.

Mein Fazit: Von Autositz zum Rollsitz

Nicht jeder Coastal Rower ist ein Regatta Ruderer. Auch viele Freizeitsportler wollen “Coastal Feeling”.  Und da muss man sich nicht unbedingt ein Boot nach FISA / World Rowing Spezifikationen kaufen. Zusammenfassend muss ich sagen. Kurz und weniger Gewicht machen es dem Ruderer deutlich einfacher ein Boot vom Dach zu holen, abzuladen und auf den Trolley zu legen. Im Wasser selbst sind kürzere Boote deutlich besser in Position zu bringen. Es ist stressfrei. Insbesonders bei einem kurzem Boot.  Egal ob es der Rubenetti Javea ist oder der RS X16, X-light. Diese Boote sind für die Küsten und Seen geeignet und machen nicht nur beim Abladen Freude.

Noch ein Hinweis: den Trolley kann man natürlich auch im Bootsheck festmachen und dann mit auf die Reise nehmen. Ich mache es lieber ohne Trolley. Ich liebe den Blick aufs Heck und suche die Welle auf der ich surfen kann. Für Wochenendreisen oder Trips mit mehreren Stops eine gute Sache.

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