Coastal Boats

Wasser im Boot – ist mein Vierer undicht?

Ich komme heute auf ein heikles Thema zu sprechen. Wasser im Boot. Ich dachte das sei eigentlich erledigt. Wasser im Innern des Bootes: Ausgelöst durch einen verärgerten Anruf eines Freundes kam meine Erinnerung aus den Jahren 2018 und 2019 wieder hoch.

Ich habe Wasser im Boot – ist mein Vierer undicht?

Küstenboote sind wasserdicht. Sie sind durch Ihr Kammersystem unsinkbar und durch die Lufkastendeckel sind die Kammern verschlossen. Das verspricht die Werbung und auch die ein oder anderer Bootswerft.

Stellt Euch vor, Ihr rudert mit Eurem Vierer entlang der Küste, der Strand kommt in Sicht und Ihr freut Euch das Boot endlich an Land zu bringen. Ihr steigt aus und wollt das Boot anheben – und es passiert nichts. Plötzlich ist das Boot so schwer, dass es von 5 oder 6 Personen nicht mehr getragen werden kann.

Ihr findet heraus, 2 Kammern Eures Vierers sind total voller Wasser.  Unmöglich, sagt Ihr?  Ich sage … das kommt wahrscheinlich viel zu häufig vor. Ich selbst habe 3 Beispiele:

Wasser im Boot – Keine Seltenheit

Swift racing undicht 2018
Wasser im Boot durch unsaubere Verschraubungen?

Beispiel 1:

Meine Coastal Rudertour mit top modernen Vierern und Doppelzweiern an der Spanischen Küste mit einer Französischen Rudergruppe. Jeden Nachmittag nach der Tour musste ein Co2x und ein Co4x geleert werden. Der Vierer  hatte so viel Wasser im Boot, dass 8 Personen das Boot 300 Meter über den Schlamm ziehen mussten ehe man etwas Gefälle hatte um das Boot mit seinen gefühlten extra 100 Ltr. Wasser zu entleeren.

Beispiel 2

Bodensee. Auch hier war es ein Co4x der Wasser gezogen hat. Zwar nur eine Kammer aber genug um bei der Öffnung der Ablassschraube – die ja eigentlich fürs Kondenswasser ist – 30 Sekunden zuzuschauen wie Wasser entwichen ist.

Beispiel 3

Genfer See, auch hier mussten wir einen Vierer leeren. Das ganze geschah über Nacht. Abends nach dem Rudern wurde das Boot draußen auf einen Slipwagen gelagert als ein furchbares Unwetter aufzog. Als wir morgens das Boot wassern wollten stellten wir fest – das Unwetter ist nicht nur über den Genfer See gezogen, sondern auch über unserer Vierer. Und zwar richtig heftig. Eine Kammer war fast zur Hälfte mit Wasser gefüllt.

Sind Coastal Vierer anfälliger?

Wassereintritte geschehen durch undichte Stellen. Banal. Ja sehr banal. Aber auch Diffizil. Wie kommt das Wasser ins Boot?

Wohlgemerkt – wir reden nicht von Schusseligkeit die zu Wasser im Boot führen. Aufgelassene Luftkastendeckel oder schlecht verschlossene Ladeluken im Heck oder Bug spielen keine Rolle.

Wassereintritt durch Verschraubungen: Ein Küstenboot ist in der Regel zweiteilig. Deck und Rumpf werden zusammengesetzt. Das Boot, insbesonders ein Küstenvierer ist fast 11 m lang. Mit vielen Verklebungen und Verschraubungen. Viele Luftkastendeckel, viele Rollschienen und Stemmbrettschienen. Dazu Bottleholder, Netze. Alles wird verklebt oder verschraubt.

Und hier gehts schon los: Die Klebenähte müssen durchgehend sein und keine porösen Stellen aufweisen. Verschraubungen und Montagen dürfen nicht ins Bootsinnere gehen, oder wenn dies der Fall ist müssen diese Verschraubungen dicht oder mit Locktide versiegelt sein, die Schraubenlänge der Materialdicke angepasst sein.

Wassereintritt durch handwerkliche Mängel: Oder es handelt sich um prozessbedingte Fehler. Verschraubungen sind neben den Spannten, zu hohes Drehmoment beim Einschrauben, unsachgemäßer Einbau von Luftkästen oder Ablassschrauben, Lunker und schlecht ausgehärtetes Material. Vieles kann zur Undichtigkeit führen.

Und das Thema ist den Herstellern von Coastal Vierern bekannt. Einige kennen dieses Thema seit Beginn der Serie.

Qualitätskontrolle bei Unterlieferanten

Führt Kostendruck zu unsauberer Arbeit? Arbeitshypothese: Mangelnde QS durch Firmen oder Produktionstrukturen führen zu erschwerter Fehlerkontrolle vor dem Verkauf: Viele sog. Bootwerften sind Marketing Firmen und haben Unterlieferanten die sie mit Booten beliefern. Fragt mal Euren Bootslieferanten ob er wirklich selbst produziert?

Es gibt verschiedene Produktionsmodelle. Eine Firma sourced die Herstellung aus und gibt diese an eine andere reine eigene Produktionsfirma (z.B. Coastal Racing Company und Coastal Produktions Company). Oder: Eine Firma ist eine reine Marketing Organisation (Coastal Boat Company und Boat Production Company) und überlässt lässt den Bootsbau einer Drittfirma.  Diese beliefert vielleicht sogar noch andere Hersteller.

Beides wird in Europa aber auch in Asien gemacht. Der Kostendruck in Europa, selbst in Asien führt dazu, dass manche Werften diesen Weg gehen. Sie vertreiben nur noch und verkaufen Boote als Grosshändler. Wenn die Kosten sinken ist das gut. Die Qualität sollte aber gewährleistet werden.

Wasser im Boot: Wie gehe ich als Club damit um?

  • Schaut wo ein Boot liegt und macht eine Probefahrt.
  • Überlegt euch eine Leih-Kauf Option mit dem Lieferant
  • Kontrolliert die Klebenähte entlang der Verbindung von Deck und Rumpf.
  • Schüttet Wasser über die Luftkastendeckel oder haltet einen Schlauch drauf.
  • Füllt die Stemmbrettvertiefung mit Wasser haltet einen Schlauch rein
  • Soweit möglich: greift durch die Luftkastendeckel und fühlt die Schraubverbindungen während Ihr Wasser von aussen zugebt.

Habt Ihr auch schon mal Wasser im Boot gehabt? Schreibt uns doch.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.